Experten Tipp

Online-Werbung vs. Schutz persönlicher Daten: Widerspruch oder doch im Einklang?

Welche deiner persönlichen Daten sind dir am wichtigsten? Bei dieser Frage denkst du wie die meisten wahrscheinlich an Geburtsdatum, Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Passwort und Kreditkarten- oder Bankzugangsdaten. Bei diesen Daten wollen wir unter allen Umständen verhindern, dass sie in falsche Hände geraten. Deshalb geben wir sie nur mit Bedacht, an ausgewählte Personen und zu einem bestimmten Zweck heraus.

Transparenz in Sachen Daten

Mit Durchsetzung der Datenschutz-Grundverordnung war Datenschutz plötzlich in aller Munde. Jeder, der in irgendeiner Weise personenbezogene Daten sammelt, sei es nun offline oder online, muss darlegen, welche Daten gesammelt und zu welchem Zweck sie verwendet werden. Arztpraxen, Vereine, Blogbetreiber oder große Unternehmen sind dabei gleichermaßen betroffen. Es ist egal, ob die Daten nur zur Dokumentation oder Information, für statistische Zwecke oder für Werbung genutzt werden.

Datenschutz

Nach Daten-Skandalen wie dem um Facebook und Cambridge Analytica fragen sich viele Menschen, welche Daten eigenlich über sie gesammelt werden und wie viel gerade Online-Unternehmen eigentlich über sie wissen. Denn auch online gibst du persönliche Daten preis. Allerdings geht es dabei nur selten um die oben genannten Angaben wie Telefonnummer oder Kreditkartendaten. Hier gilt ebenfalls: Wenn du solche Daten heraus gibst, dann im Normalfall bewusst und zu einem bestimmten Zweck, etwa, weil du etwas bestellst.

Werde ich ausspioniert?

Doch es werden noch mehr Daten gesammelt, wenn du dich im Internet bewegst. Sobald du eine Webseite besuchst und Cookies akzeptierst, werden Informationen darüber gespeichert, was du dir angesehen hast. Das ist besonders für Werbetreibende wie uns wichtig. Denn wir wollen dir Werbung zeigen, die dein Interesse weckt, indem sie dich auf Produkte aufmerksam macht, die dir gefallen.
Wichtig ist: Wir wissen nicht, wer du bist. Denn die Daten werden anonym gesammelt. Wir wollen auch gar nicht wissen, wer da vor dem Bildschirm sitzt. Uns interessiert, was du dir im Internet angeschaut hast und welche Produkte für dich interessant sein könnten.

Internet Datenschutz

Die ePrivacy-Verordnung: Bedrohung fürs Online-Marketing?

Nachdem schon die DSGVO für viel Unruhe in der Branche gesorgt hat, steht bereits die ePrivacy-Verordnung vor der Tür, die weitreichende Konsequenzen für die Werbebranche haben könnte. Im Hinblick auf das Inkrafttreten der neuen Verordnung hat sich das Interactive Advertising Bureau Europe (IAB) mit der Frage beschäftigt, wie Menschen zum Umgang mit ihren Daten im Internet stehen und will vor allem darüber aufklären, wie Daten im Online-Marketing genutzt werden. Diesen Themen wird in einer Reihe von Videos nachgegangen, von denen sich jedes mit einer bestimmten Fragestellung auseinandersetzt. Dabei zeigt sich, dass der Wunsch der Verbraucher nach Privatsphäre und dem Schutz der eigenen Daten nicht im Widerspruch mit der Datennutzung für Werbung steht.

Wofür die ganze Werbung?

Sei doch mal ehrlich: Willst du für die Nutzung einer Webseite bezahlen? Wir sind es gewohnt, dass Online-Angebote kostenlos sind und das soll auch so bleiben. Doch jeder, der einen Blog oder eine Webseite betreibt, muss diese finanzieren. Und das geht am einfachsten mit Werbung. Manche haben es auch mit einer Bezahlschranke versucht, doch bisher sind die wenigsten Internetnutzer bereit, für Online-Inhalte zu bezahlen. Wer aber will, dass Webseiten weiterhin gratis zugänglich sind, der muss auch Werbung akzeptieren – und somit eben auch bereit sein, über Cookies getrackt zu werden. Denn ohne Werbung wären viele Online-Angebote nicht realisierbar. Und das ist den meisten Nutzern durchaus bewusst, wie ein weiteres Video des IAB Europe zeigt:

Daten machen Werbung persönlicher und somit weniger störend

Wenn schon Werbung im Internet, dann doch lieber solche, die deinen Interessen entspricht, oder? Doch das ist nur möglich, wenn wir wissen, was du dir bereits im Netz angesehen hast und wofür du dich interessierst. Darauf basiert das sogenannte Retargeting. Ein Cookie speichert Informationen darüber, welche Webseite bzw. welchen Shop du online besucht hast und welche Produkte du dir angeschaut hast. Dadurch ist anzunehmen, dass dich das entsprechende Angebot interessiert hat und dir werden später ähnliche Produkte angezeigt, um erneut dein Interesse zu wecken.

Um eine Webseite nutzen zu können, musst du derzeit zuvor deine Zustimmung zu Cookies geben. Durch die neue ePrivacy-Verordnung könnte es jedoch zu einer starken Einschränkung der Cookie-Nutzung kommen. Deshalb müssen schon jetzt neue Wege gefunden werden, wie Werbung auf die Interessen des Nutzers zugeschnitten werden kann, ohne auf Cookie-Tracking zurück zu greifen. Hier wird es noch einige Entwicklungen geben – unabhängig davon, ob die ePrivacy-Verordnung wie geplant in Kraft tritt oder nicht. Denn das (Online-)Marketing befindet sich in einem ständigen Wandel.

Tipp: Alle Videos des IAB und weitere Informationen zum Thema gibt es unter datadrivenadvertising.eu.